Die Republik
Nummer 110, 15. Oktober 2001
Herausgegeben von Petra und Uwe Nettelbeck
deutsch, 84 Seiten, 12 x 20 cm
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Inhalt:
Stefan Ripplinger
Einige Ansichten unter freiem Himmel
Joseph Joubert
(1754-1824)
Joseph Joubert erscheint nicht, er entschwindet wie ein Komet. Unsichtbar zu Lebzeiten, den Späteren verborgen, zieht er vorbei, eine Gestalt aus Feuer, aus Luft, ein Pneuma, nicht von dieser Welt. Was Baudelaire, Blanchot, Poulet, Perros an ihm bewundern, irritiert Arnold und Sainte-Beuve, dem einen ist er „too ethereal", der andere sagt ihm nach, er verliere sich im Wolkigen, ,,dans le vaporeux".
Joubert lehrt die Schönheiten des Übergangs und jene der Absonderung, les beautes de la transition et celles de l'isolement, er zieht den Himmel der Erde vor, die Vögel den Kriechtieren, die Gipfel den Tälern, das Weite dem Engen, die Fülle dem Vollen.
Die Literatur, an die Joubert denkt, gleicht einem Wal; kein Magen, kein Geist ist ihr je gewachsen. Der Satz, an den Joubert denkt, gleicht einem Wal; glatte, schimmernde Haut, der Leib nicht auszuloten.